Die Gärten der Bahai

Die Gärten der Bahai

 

 

Bahji war während der letzten 12 Jahre seines Lebens der Wohnsitz des Baha’u’llah, dem Stifter der Religion der Bahai. Dort wurde er nach seinem Tod begraben, und hieraus ergibt sich die Heiligkeit des Ortes für die weltweit verstreuten Mitglieder der Bahai.
Auf dem Gelände befinden sich zwei historische Gebäude: Das Gut und das Heiligtum des Baha’u’llah.
Das Heiligtum der Baha’u’llah ist der Ort seines Grabes und der weltweit heiligste Ort der Bahai, sowie zentraler Anlaufpunkt für Bahai-Pilger. Gläubiger aus der ganzen Welt wenden ihr Herz und ihr Gesicht bei der täglichen Rezitation bestimmter Gebete in Richtung des Heiligtums des Baha’u’llah, und streben danach, mindestens einmal im Leben einen Pilgerreise hierher zu unternehmen. Noch bevor der Baha’u’llah diesen Ort als seinen Wohnsitz wählte, war die Anlage bereits als Bahji, oder Al-Bahja, "Ort des Glücks", bekannt.
Baha’u’llah wurde im Jahr 1817 im Iran geboren. Er stammte aus einer ehrenwerten Aristokratenfamilie, sein Vater war Minister am Hofe des Shah von Iran. Seit seiner Kindheit war Baha’u’llah für seine Weisheit und sein Wissen bekannt. Als er 22 Jahre alt war, starb sein Vater, woraufhin ihm der wichtige Posten angeboten wurde. Doch Baha’u’llah hatte keinerlei Absicht, sein Leben mit der Verwaltung irdischer Angelegenheiten zu verbringen. Er ließ den Hof des Königs und dessen Minister zurück und verbrachte seine Zeit stattdessen damit, den Elenden und Unterdrückten der Gesellschaft, den Kranken und Armen, zu helfen. Er wurde schnell als Hüter der Gerechtigkeit bekannt.
 
Die Lehre des Baha’u’llah 
Baha’u’llah lebte im Iran des 19. Jahrhunderts, als dort Vorteile und Aberglauben herrschten. In diesem Umfeld verbreitete er eine überaus fortschrittliche Leere. Er lehrte die Einheit Gottes, der das Menschengeschlecht mithilfe seiner Gesandten erzog, die der Menschheit von Generation zu Generation den Willen Gottes offen legten. Alle Religionen lehren die gleichen grundlegenden geistigen Prinzipien, obwohl sie sich in ihrer sozialen Lehre unterscheiden können. Baha’u’llah wies darauf hin, dass die Menschheit in die Periode ihrer ersehnten Reife eintritt, in der sich ihr gesamtes Potenzial offenbaren wird - die Einheit des Menschengeschlechts.
Natürlich stand diese Lehre in völligem Widerspruch zu den Meinungen und gefestigten Werten seiner Zeit. Diese neue Bewegung wurde sowohl von religiösen Führern als auch von den Behörden verfolgt. Viele der ersten Gläubigen wurden auf grausamste Weise hingerichtet. Auch Baha’u’llah litt darunter, trotz seiner aristokratischen Abstammung. Er wurde in einen dunklen Keller, der "schwarzen Grube", in Teheran geworfen. Die Ketten, die um seinen Hals gelegt wurden, waren so schwer, dass er seinen Kopf nicht heben konnte. Vier Jahre verbrachte er in schlimmster Not. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er gemeinsam mit seiner Familie des Landes verwiesen. Inmitten des winterlichen Frostes zogen sie über die westlichen Berge Irans Richtung Bagdad, damals eine Stadt im osmanischen Reich. Im Laufe der darauf folgenden 10 Jahre wurde Baha’u’llah aus weiteren Städte des osmanischen Reiches vertrieben, bis er letztlich, im Jahr 1868, gemeinsam mit seiner Familie und einer kleinen Gruppe von Gläubigen ins Heilige Land exiliert wurde. Dort wurden alle in der Gefängnisfestung von Akko eingesperrt.
Obwohl sie zu Beginn als eine Gruppe ungläubiger exilierter Gefangene bekannt waren, behandelte man die Bahai als eine ehrenwerte religiöse Gemeinschaft, insbesondere infolge der wachsenden Anerkennung der Größe und Weisheit von Baha’u’llah. Allmählich wurden die Haftbedingungen erleichtert, Baha’u’llah und seiner Emilie wurde erlaubt, in ein Haus innerhalb der Stadtmauern von Akko zu ziehen. Später durften sie sogar die Stadt verlassen, um hier auf dem Gut Bahji zu leben. Baha’u’llah verstarb im Alter von 75 Jahren.
 
Das Gut Bahji
Das Gut Bahji erstreckt sich über eine Fläche von über 740 m². Das zweite Stockwerk wurde um 1870 über dem alten einstöckigen Gebäude aus dem Jahr 1821 als Sommerpalast für Udi Khammar, einem reichen Händler aus Akko, errichtet. Die Eigentümer flohen während einer Epidemie aus Akko. 1879 wurde das Gut als Wohnsitz von Baha’u’llah gemietet und später käuflich erworben.
Das von Säulen umgebene Erdgeschoss diente betrieblichen und Lagerzwecken. Das oberste Stockwerk ist um einen großen offenen Bereich herum errichtet und verfügt über ein Oberlicht, das Sonnenlicht in das Gebäude herein lässt. Diese Fläche ist von Wohnräumen unterschiedlicher Größe umgeben, mit Blick auf eine Terrasse. Die über den Fenstern an den Außenwänden angebrachten Gemälde wurden waren von Udi Khammer ausgewählt worden und gelten als wunderschöne Beispiele für die Verbindung zwischen Orient und Okzident in Akko. Das Glasfenster ist typisch für seine Zeit. Es ermöglichte den Damen des Hauses auf der Terrasse zu sitzen und dabei ihre Privatsphäre zu schützen.
 

 

 


Die Gärten
Sinn der Gärten war die Schaffung eines angemessenen Zugangs zum Heiligtum des Baha’u’llah, dem Mittelpunkt der gesamten Anlage.  Alle diese radialen Wege führen letztlich auf das Zentrum zu. Der Besucher hat in den Gärten die Wahl zwischen mehreren Wegen, wovon einige einen Rundgang um das Heiligtum des Baha’u’llah ermöglichen. Der Zugang zu den historischen Gebäuden führt zunächst durch inoffizielle Gärten, bevor sie in die gestalteten offiziellen Gärten übergehen, die zum Heiligtum führen.
Die Gärten sind dekorativ gestaltet und werden unter Berücksichtigung des Umweltschutzes gepflegt. Um den Wasserverbrauch einzuschränken sind die meisten Grünanlagen saisonbedingt. Das Bewässerungssystem wurde nach dem Maßstab der höchten Effizienz gestaltet. Für den inoffiziellen Teil der Gärten wurden Pflanzen, Büsche und Bäume ausgewählt, die der Trockenheit standhalten.
 

 

 


Die Gärten im Bahji bilden eine harmonische Verbindung zwischen verschiedenen westlichen und orientalischen Elementen. In bestimmten Teilen der Gärten sind Elemente persischer Gärten zu sehen, wie beispielsweise geometrisch gestaltete Beete, während in anderen Bereichen europäische Elemente überwiegen, wie beispielsweise Marmorsäulen und dekorative Krüge . All das ist mit der örtlichen Natur verbunden und verwoben, beispielsweise durch Olivenbäume, Zitrus- und Granatapfelbäume.
 
Die Instandhaltung der Gebäude und der Gärten wird ausschließlich aus Spenden der Mitglieder der Bahai finanziert. Der Zutritt für Besucher ist kostenlos. 
 

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