Das Acre Fortress Conservation Project

Das Acre Fortress Conservation Project

(Projekt zur Konservierung der Zitadelle von Akko)


 

Die als Rittersäle (Knights' Halls) oder Zitadelle von Akko (Citades of Akko) bezeichneten Gebäude aus der Kreuzfahrerzeit dienten ursprünglich als Komplex des Hospitaliterordens. Der Komplex erstreckt sich über einen Bereich von etwa 8300 m².
 
Zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Säulensaal im Komplex des Hospitaliterordens statisch instabil. Dies wurde deutlich, als in den Gewölben in der Halle Risse erschienen und Erde und Mörtel vom Gewölbekern in die darunterliegende Halle herunter fielen. 
 
Infolge technischer Maßnahmen, die zur Rettung des Saales ergriffen wurden, beschloss die Old Acre Development Company, die Restaurierung und Erschließung des unterirdischen Komplexes für touristische Zwecke in Angriff zu nehmen. Diese Entscheidung führte zu umfangreichen archäologischen Ausgrabungen, welche die Israel Antiquities Authority (Israelische Altertumsbehörde) 1992 bis 1999 mit Finanzierung des Tourismusministeriums durchführte (Abb. 1).

 

 

Abbildung 1. Plan des Komplexes des Hospitaliterordens

Der größte Teil des Komplexes des Hospitaliterordens wurde im Verlauf dieser Ausgrabungen freigelegt. In den östlich und südlich des Komplexes gelegenen Straßen wurden gleichfalls gegraben, weitere Ausgrabungen fanden in der St.-Johannes-Kirche statt, die sich im Südosten unmittelbar an den Komplex anschließt (Abb. 2). 
 


Abbildung 2. Ansicht des Gefängnishofes zu Beginn der Ausgrabungen im Jahr 1992

 

Archäologische Überreste aus der hellenistischen Periode (300-63 v. d. Z.), aus der frühen Arabischen Periode (638-1099 d. Z.), zu einem großen Teil aus der Kreuzfahrerperiode (1291-1104 Zeitrechnung) und vor allem aus dem 13. Jh., wurden auf dem Gebiet des Komplexes freigelegt. Im 13. Jh. war Akko die Hauptstadt des Kreuzfahrerkönigreiches von Jerusalem. Die Zerstörung der Kreuzfahrer-Gebäude während der Mameluken-Periode (1291-1517) hinterließ ihre Spuren auf dem Komplex. http://www.google.co.il/webhp?sourceid=toolbar-instant&hl=en&ion=1&qscrl=1&nord=1&rlz=1T4PRFA_enIL419IL419. Während der späten Ottomanischen Periode (1057-1918 d. Z.) wurde die Zitadelle als Teil der Verteidigungsanlagen der Stadt auf den Ruinen der Kreuzfahrerfestung errichtet. Während der Zeit des Britischen Mandates (1918-1948) wurden Mitglieder der jüdischen zionistischen Widerstandsbewegung hier gefangen gehalten, und das Gebäude diente als Hauptgefängnis im Norden Israels. Die archäologischen Ausgrabungen der Überreste aus der Kreuzfahrerzeit, sowie die Freilegung eines sich über mehrere Perioden erstreckenden Komplexes spiegeln die beiden goldenen Zeitalter Akkos wieder - das 13. Jh. sowie das 18. und 19. Jh..
Der Komplex des Hospitaliterordens ist das wichtigste monumentale, in der Altstadt von Akko freigelegte Zeugnis der Kreuzfahrerzeit und der Zeit, in der Akko als Hauptstadt des Königreichs fungierte. Dank dieser außergewöhnlichen erhaltenden Eingriffe können diese Monumente heute ein konkretes und beeindruckendes Zeugnis der Kultur der Kreuzfahrer ablegen. Der Komplex, von dem Teile bereits in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts freigelegt und bearbeitet worden waren, wurde in den neunziger Jahren in all seiner Pracht sichtbar. 
Für die Entwicklung der Altstadt von Akko im Jahr 1993 gewährten staatlichen Gelder erleichterten die Ausgrabungsarbeiten und die Erhaltung des Komplexes gemäß des für diesen Ort vorgesehenen Touristkprogramms. Die technischen Lösungen, die Dokumentation und Professionalität, die bei der Erhaltung der Gebäude zum Einsatz kamen, bildeten einen integralen Bestandteil der archäologischen Aktivität und der touristischen Entwicklung dieses Objektes.
Die größte Herausforderung bei der Planung der Eingriffe war die haarfeine Balance zwischen der Erhaltung und den Anforderungen der Erschließung, so dass die Bestandteile des Kulturerbes geschützt bleiben, den Besuchern aber zugleich ermöglicht wird, den Ort zu erleben und seine Bedeutung zu verstehen, und die touristische Verwaltung des Geländes zu erleichtern (Abb. 3). 

Abbildung 3. Der Säulensaal, mit Blick nach Osten, 2008 - Mit freundlicher Genehmigung der Altertumsbehörde

 


Die bei den Eingriffen zum Einsatz gekommenen Methoden wurden auf der Grundlage der Erforschung der verschiedenen Elemente des Komplexes, seiner Funktion, seines kulturellen Wertes und seines Erhaltungsgrades bestimmt. Auch die Erfordernisse der touristischen Erschließung wurden dabei berücksichtigt.
Die Gebäude des Hospitaliterkomplexes setzen sich aus Tonnen- und Kreuzgewölben aus äolianitischem Natursteinmauerwerk zusammen. Der Baustil, in dem der Komplex errichtet wurde, ist hauptsächlich romanisch, es finden sich jedoch auch gotische Elemente. Insofern setzen sich die Gebäude des Hospitaliterkomplex aus Elementen beider Stile zusammen. Dank ihrer Abmessungen, ihres Baustils, der Technologie und der sorgfältigen Bauarbeiten bieten die Kreuzfahrerhallen den Besuchern ein bewegendes Erlebnis. Die massive Steinkonstruktion, die Einhaltung grundsätzlicher Planungsregeln und ein methodisches System von Proportionen zwischen den verschiedenen Elementen haben zur Schaffung einer beeindruckenden Architektur beigetragen, die bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist.
Die am häufigsten auftretenden strukturellen Probleme tauchen in unterschiedlicher Intensität immer wieder auf. Die Probleme mit Baumaterial treten im Zerfall der äolianitischem Steine, in der Entstehung von Lücken im Gestein, in der Bildung von Salzkristallen auf und innerhalb der Steine, von Rissen, in der Erosion der Gesteinsoberfläche, sowie in der biologischen und mikrobiologischen Patina auf dem Stein zum Vorschein. Zudem besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Kernmasse der Mauern und Gewölbe zerkrümelt. Zu den strukturellen Problemen zählen der Verlust der Tragfähigkeit einzelner Steine oder struktureller Elemente, wie beispielsweise Säulen oder Stützen, Verformungen von Mauern oder Gewölben, die zum Zerbröseln struktureller Elemente oder des gesamten Gebäudes führen (Abb. 4).
 


Abbildung 4. Der mittlere Hofe nach der Freilegung, 2008 - Mit freundlicher Genehmigung der Altertumsbehörde

 

Die strukturellen Probleme des Komplexes sind ein Ergebnis der Qualität des Baumaterials, der Bautechnik, des Zerfalls der Materialien und der zerstörerischen Faktoren der Gebäude. Auch witterungsbedingte Faktoren wie Wind, hohe Luftfeuchtigkeit, die Bildung von Salzkristallen, beeinträchtigen die Widerstandskraft des Materials und begünstigen sowohl biologischen als auch chemischen Zerfall des Steins. Die auf die Anlage einwirkenden zerstörerischen Faktoren sind zahlreich und vielfältig.
Die technische Lösung dieser Probleme war die Errichtung einer baulichen Trennung zwischen den Gebäuden der Kreuzfahrerzeit und der Ottomanen. Diese Trennung erfolgte durch Stabilisierung der ottomanischen Ebene mit einem System aus Balken und Säulen aus Beton und Stahl.
 
Von allen Sälen im Komplex des Hospitaliterordens fanden die tiefstgreifenden erhaltenden Eingriffe im Pfeilersaal statt. In diesem Fall führte der weit fortgeschrittenen Zerfall zum Einbruch des Gebäudes. Die Überbleibsel des Saales - in einem Zustand akuten Zerfalls des Steins - waren zerbrochen und gespalten, und die das Gewölbe tragenden Pfeiler befanden sich in einem Stadium der Zersetzung. In diesem Zustand, nach dem Verlust der Statik und ohne jegliche sofortige und tief greifende Intervention, war die Existenz des Saales gefährdet, und mit ihm die Stabilität der darüber liegenden und der anschließenden Gebäudeteile. Insofern illustriert der erhaltende Eingriff in diesem Fall ein breiteres Spektrum an Lösungsmöglichkeiten, wie beispielsweise minimaler Erhalt, minimale Stabilisierung, Restaurierung und Wiederaufbau. So bestand beispielsweise der Erhalt der Gewölbe in der Reinigung und Verpressung von Mörtel auf Kalkbasis in Rissen und internen Lücken. 
Mehrere Mauerkerne wurden vermessen, um das ursprüngliche Material zu bewahren und den fehlenden Mörtel aufzufüllen, während andere, neuere Mauerkerne mit einer Füllung aus "Debesh" (zerkleinerter Bauschutt mit Bindemittel) verstärkt wurden. Die Feldpfeiler wurden mit modernen Materialien wiederhergestellt. Die bauliche Funktion der Endpfeiler, andererseits, wurde durch den Einsatz der ursprünglichen Technologien wiederhergestellt. Für die meisten erhaltenden Eingriffe an den Säulen kamen Stein und Mörtel auf Kalkbasis zum Einsatz. An bestimmten Stellen, wo abgenutzte Steine ersetzt wurden, dienten Glasfaserstifte zur Verbindung der neuen Steine mit den ursprünglichen Steinen. Die endgültige Restaurierung des Mauerwerks erfolgte unter Einsatz von Technologien aus der Kreuzfahrerzeit, um ein Ergebnis zu erreichen, das dem ursprünglichen Mauerwerk so ähnlich wie möglich ist.
Der Umfang der Erhaltungsmaßnahmen - Stabilisierung, Restaurierung und Wiederherstellung unter Einsatz sowohl ursprünglicher als auch moderner Technologien, sowie die Methode der Errichtung neuer Infrastruktur - wird je nach Erhaltungsgrad und gemäß der Art der für die Anlage geplanten Aktivitäten bestimmt (Abb. 5).
 

 

Abbildung 5. Der Nordsaal, mit Blick nach Osten, 2008 - Mit freundlicher Genehmigung der Altertumsbehörde


Insofern umfasste der Erhaltungsprozess des Pfeilersaals eine Vielfalt von Maßnahmen, die auf Stabilisierung des Gebäudes, Erhaltung des Gesteins und Wiederherstellung einzelner Elemente hinzielte (Abb. 6). 
 

Abbildung 6. Der Säulensaal während der Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten, 2008 – Mit freundlicher Genehmigung der Altertumsbehörde

 


Das im Mittelpunkt des Eingriffes stehende hauptsächliche Kriterium war die Ergänzung oder der Ersatz eines jeden Steins, der keine bauliche Rolle spielt, durch einen neuen Stein, der den Abmessungen des ursprünglichen Steins entspricht.
Der Erhaltungsgrad der Elemente des Hospitaliterkomplexes diktierte eine Vielfalt von Eingriffsebenen. So bot der Komplex reichhaltig Gelegenheit, um etwas über Erhaltungsprozesse und -methoden zu lernen.  Die zurzeit am Komplex ausgeführten Erhaltungsmaßnahmen zeigen, wie die Erhaltung dieses historischen Monuments professionell gehandhabt wird (Abb. 7).
 

 

Abbildung 7. Der Säulensaal, mit Blick nach Nordosten, 2008 -  Mit freundlicher Genehmigung der Altertumsbehörde

 


Das Buch "The Knights' Halls – Conservation of the Hospitaller Compound in Old Acre" („Die Rittersäle – Die Erhaltung des Hospitaliterkomplexes in der Altstadt von Akko“. Das Buch ist nur in Hebräisch und Englisch erschienen) kann an der Kasse des Besucherzentrums erworben werden.
 

 


Oben